Stellungnahme zu der Kampagne gegen die ARTE-Reportage „Gaza: Ist das ein Leben?“

Die am 22. Juli ausgestrahlte ARTE Reportage „Gaza: Ist das ein Leben?“ berichtete knapp 15 Minuten lang aus dem Gaza-Streifen über die Situation der Menschen vor Ort.

ARTE-Reportage „GAZA: Ist das ein Leben?“

Unter Führung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und des Zentralrats der Juden in Deutschland wurde darauf hin ein offener Brief mit heftiger Kritik an ARTE veröffentlicht: Offener Brief von DIG, Zentralrat der Juden etc.

Als Antwort gab ARTE folgende Presseerklärung heraus: Presseerklärung von ARTE

Das Institut für Palästinakunde Bonn hat nun mehrere Organisationen und Einzelpersonen unter einen Brief versammelt, der den Verantwortlichen von ARTE den Rücken stärkt und sich für die Ausstrahlung der Reportage bedankt:

Stellungnahme des IPK und Unterstützer

Institut für Palästinakunde


e.V.

Institut für Palästinakunde
Institut für Palästinakunde e.V.
Weissenburgstrasse 11
DE 53175 Bonn
Tel.: 0049 228 18038637
ipk@ipk-bonn.de
Bonn, den 7. August 2017
Betreff: Stellungnahme zu der Kampagne gegen die arte-Reportage „Gaza: Ist das ein Leben?“
Sehr geehrte Frau Savin,
sehr geehrter Herr Geschäftsführer Bergmann,
sehr geehrter Herr Geschäftsführer Dr. Nievelstein,wir – der Vorstand des ‚Institut für Palästinakunde e.V., Bonn‘ sowie die siebenundsiebzig (Stand: 8. Aug.) Unterzeichner dieses Briefes – möchten Ihnen hiermit dafür danken, dass sich Ihr Haus nicht von den Anschuldigungen und Verzerrungen hat einschüchtern lassen, die Ihnen in diesem ‚Offener Brief an Arte‚ bezüglich der Dokumentation „Gaza: Ist das ein Leben?“ entgegen gehalten wurden.Denn nicht eine einzige der Behauptungen der Verfasser dieses offenen Briefes – insbesondere die infamen Antisemitismus-Anschuldigungen – vermag einer seriösen Prüfung standzuhalten.
Fakten

Weder hat die Bezeichnung „Intifada“ etwas mit dem Töten von Zivilisten zu tun, Intifada bedeutet schlicht und ergreifend „Abschüttelung“ (der Besatzer), noch verbreitet die Webseite ‚The Electronic Intifada‚ Antisemitismus – es sei denn, man hält die illegale Besatzung, Unterdrückung und Vertreibung der Palästinenser durch Israel für einen Teil des Judentums.

Die Behauptung der Verfasser, der Tod hunderter palästinensischer Zivilisten während des Überfalls 2014 sei Folge ihres Einsatzes als menschliche Schutzschilde, dient allein zur Rechtfertigung der israelischen Mörder. Denn nachdem Israel schon beim ersten Großangriff auf Gaza im Jahr 2008/9 hunderte palästinensischer Zivilisten getötet hatte, würden sich höchsten suizidale Palästinenser als menschliche Schutzschilde gegen einen israelischen Angriff zur Verfügung zu stellen.
Um den unglaublich mörderischen Charakter des israelischen Angriffs des Jahres 2014 zu begreifen, muss man einfach nur die Opferzahlen – insbesondere das Verhältnis zwischen den getöteten Kämpfern und Zivilisten – in Relation zueinander setzen. Demzufolge war die Wahrscheinlichkeit für einen palästinensischen Zivilisten von israelischer Seite getötet zu werden dreißig mal größer als die Wahrscheinlichkeit für einen Zivilisten auf israelischer Seite (basierend auf den Zahlen der UN).

Daß Gaza heute über keinen Strom verfügt ist tatsächlich die Folge eines Machtkampfs zwischen der HAMAS in Gaza und der FATAH in der Westbank, der allein Folge der den Palästinensern von ihren Besatzern aufgezwungenen Politik des ‚divide et impera‚ ist.
Und es sind natürlich ausschließlich die illegale israelische Belagerung und der Boykott, welche die Bevölkerung Gazas zu einem Leben in perspektivloser Armut, am Tropf externer Geldgeber verdammen – und nicht etwaige Verfehlungen – Korruption oder Veruntreuung – der HAMAS.

Die Behauptung, Gaza sei nicht der am dichtesten besiedelte Ort der Welt ist ebenso irrelevant wie betrügerisch. Es gibt schlicht keine einzige „Metropole“ auf der Welt, in der nahezu zwei Millionen Menschen auf einer Fläche von 19 x 19 Kilometern seit einem Jahrzehnt eingesperrt, belagert und immer wieder bombardiert werden.

Eine unverschämte Lüge ist zuletzt die Behauptung, die Belagerung und regelmäßige Bombardierung Gazas richte sich nicht gegen die palästinensische Bevölkerung. Stand hinter der Bombardierung von Strandcafes, Wohnvierteln und Wohntürmen – ganz zu schweigen von Schulen oder auf dem Strand spielender Kinder – etwa nicht die Absicht, die palästinensische Zivil-Bevölkerung zu töten oder zu terrorisieren?
Auf Lügen basiert auch die von den Verfasssern dazu vorgetragene Behauptung, Israels Vorgehen sei aufgrund des intensiven Raketenbesschusses aus Gaza gerechtfertigt gewesen. Unter diesem Link finden Sie eine detaillierte Aufstellung der Angriffe beider Seiten in der Zeit vor 2014, nebst einer Visualisierung, die nahelegt, dass Israel auch in diesem Punkt nicht Opfer sondern Täter war.

Der wirkliche Grund für die Konzentration, Belagerung und Bombardierung von nahezu zwei Millionen Palästinensern in Gaza ist allein das von Israel seit der Staatsgründung verfolgte Ziel, in Palästina mit allen vorstellbaren und unvorstellbaren Mitteln eine jüdische Mehrheit herbeizuführen und aufrecht zu erhalten.

Einen Eindruck dessen, was die israelische Armee 2014 in Gaza angerichtet hat, gibt diese Web-Präsentation von Anne Paq: Obliterated Families.
Dank

Hiermit möchten wir uns nochmals ganz ausdrücklich dafür bedanken, dass arte das Schweigen über die Katastrophe in Gaza wenigstens für einen Augenblick gebrochen hat und bitten Sie, sehr geehrte Frau Savin, hiermit ausdrücklich darum, diesen Dank auch an die in dem offenen Brief genannten Herren Bergmann und Dr. Nievelstein weiterzuleiten.

Mit freundlichen Grüßen

IPK-Vorstand

Institut für Palästinakunde e.V., Bonn
53175 Weißenburgstrasse 11
www.ipk-bonn.de

Unterzeichner

Organisationen:
Arbeitskreis Internationalismus Rhein-Main‚ (Wiesbaden); ‚Arbeitskreis Palästina im Nürnberger Evangelischen Forum für den Frieden‚ (Nürnberg); ‚BDS Wiesbaden ‚ (Wiesbaden); ‚BDS-Gruppe Bonn‚ (Bonn); ‚Cafe Palestine Colonia‚ (Bergheim); ‚Cafe Palestine Freiburg e.V.‚ (Freiburg); ‚Café Palestine Zürich‚ (Zürich); ‚Deutsch Palästinensische Gesellschaft Hamburg‚ (Hamburg); ‚Duisburger Netzwerk gegen Rechts‚ (Duisburg); ‚Frauen in Schwarz‚ (Wien); ‚Free Palestine‚ (Zürich); ‚Gesellschaft Schweiz-Palästina‚ (Schweiz); ‚Palästina-Solidarität Zürich ‚ (Zürich); ‚Palästina/Nahost-Initiative Heidelberg ‚ (Heidelberg); ‚PalästinaForum Nahost‚ (Frankfurt am Main); ‚Palästinakomitee Stuttgart e. V.‚ (Stuttgart); ‚Palästinensische Gemeinde Deutschland‚ (Bonn);

Personen:
Paula Abrams-Hourani, ‚European Jews for a Just Peace‘ (Wien); Erhard Arendt, ‚Palästina Portal‘ (Dortmund); H. A., ‚BDS-Gruppe Bonn‘ (Bonn); W. B. (Herdwangen-Schönach); Gabi Bieberstein, ‚Attac Deutschland‘ (Bielefeld); p. B. (Zürich); R. B. (Zürich); Volker Bräutigam; Kerstin Cardemartori, ‚LAG Gerechter Frieden in Nahost (DIE LINKE. Nds.)‘ (Hannover); Elias Davidsson, Komponist (Kirchen); H. D. (Duisburg); G. D. (Ulm); B. D., ‚GEW‘; N. P. (Berlin); Yasmin El-Hakim (Stuttgart); Franz Eschbach, ‚attac‘ (Karlsruhe); Ruth Fruchtman, Schriftstellerin (Berlin); B. G. (Herford); W. G. (São Paulo ); Inge Hoeger, MdB, ‚DIE LINKE‘ (Berlin); Suraya Hoffmann, ‚Cafe Palestine Colonia‘ (Bergheim); E. H. (Karlsruhe); Jürgen Jung, Schauspieler (München); Claudia Karas (Frankfurt am Main); Layla Kilani (Siegen); I. K. (Taunusstein); Annette Klepzig, ‚Pax Christi‘ (Wilhelmsfeld); Ruedi Knutti (Zürich); A. K. (Huefingen); A. K. (München); Wilhelm Langthaler (Wien); Dieter Lehmann, ‚Deutsch Palästinensische Gesellschaft‘ (Hamburg); Eva Lehmann, ‚Deutsch Palästinensische Gesellschaft‘ (Hamburg); Dr. Manfred Lotze (Hamburg); Prof Dr. Mohssen Massarrat, ‚Wissenschaftlicher Beirat attac‘ (Osnabrück); Klaus Maßmann, Pfarrer i.R. (Lotte); Ursula Mathern (Merxheim); A. M. (Hildesheim); H. M. (Uitikon); I. M. (Wachtberg); P. N. (Essen); Elfi Padovan, ‚LAG Frieden (LINKE)‘ (München); Franz Poeschl, Apotheker (Bergisch-Gladbach); Gudrun Reiß (Karlsbad- Auerbach); Christoph Rinneberg, ‚Kairos-Palästina-Solidaritätsnetz ‚ (Wembach i.O.); I. R., ‚PalästinaForum Nahost‘ (Frankfurt am Main); e. R., ‚PalästinaForum Nahost‘ (Frankfurt am Main); A. R.; I. R., ‚Libanonhilfe e.V.‘ (Pfullingen); Ursula Sagmeister, ‚Frauen in Schwarz‘ (Wien); S. S. (Wuppertal); J. S. (Wiesbaden); G. S., ‚Collectif Judéo Arabe et Citoyen pour la Palestine‘ (Strasbourg); G. S. (Ohlsbach); C. S. (Wiesbaden); Dr. Angelika Schneider (Bergisch Gladbach); Hans-Günther Schramm, Berufsbetreuer (Nürnberg); Heinz-Peter Seidel, Musikwissenschaftler (Berln); M. S. (Neuss); Thomas Immanuel Steinberg, Mitglied der Naturfreunde, Hamburg (Hamburg); H. S. (Kassel); Dr. theol. Hans-Christoph Stoodt (Frankfurt am Main); M. S., ‚BDS-Gruppe Bonn‘ (Bonn); Verena Tobler-Linder (Zürich); K. T. (Nürtingen); A. T. (Iserlohn); S. U. (Alfter); A. A. (Mainz); Dr. Angela Waldegg, Künstlerin (Wien); Dr. Ludwig Watzal, Publizist (Bonn); Dr. Gabi Weber, ‚Cafe Palestine Freiburg e.V.‘ (Freiburg); S. W. (Bonn); A. W. (Barsinghausen); Dr. Ribhi Yousef (Duisburg); A. Z. (Freiburg); H. Z. (Freiburg); T. Z. (Duisburg)

 

 

 

 

 

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